Rückblick Deutsches Turnfest in Berlin

Niklas wieder Deutscher Meister!

Rope Skipper auch im Einzel bei der EM!

Traditionell mit einer großen Anzahl von Athleten waren wir beim Internationalen Deutschen Turnfest in Berlin vertreten. Das hängt zum einen damit zusammen, das die Rope Skipper ihre Deutschen Einzelmeisterschaften beim Turnfest austragen und für die Leichtathleten stehen die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften des Turnerbundes auf dem Programm. Neben den Mehrkämpfen werden mit dem Steinstoßen und dem Schleuderballwerfen auch Meisterschaften ausgetragen, die beim Leichtathletikverband nicht auf dem Programm stehen.

Und da hatten wir ein ganz heißes Eisen im Feuer. Beim Steinstoßen der Altersklasse 18-19 war Niklas Hahn mit großem Kampf im letzten Jahr Deutscher Meister geworden. In diesem Jahr, im älteren Jahrgang, konnte Niklas seinen Titel mit dem 10kg Stein souverän verteidigen. Gleich im ersten Versuch setzte er mit 10,21m ein starkes Zeichen und wie sich zum Schluss heraus stellte, konnte keiner seiner 7 Konkurrenten diese Weite übertreffen. Niklas erzielte dann im 5. Versuch mit 10,46m seine Siegesweite und kam im 6. Versuch mit 10,41m noch einmal ganz nahe dran. Eine mittlere Überraschung gelang ihm dann mit dem 1,5kg Schleuderball in der gleichen Altersklasse. Bei optimalen Bedingungen konnte er seine Bestleistung um fast 5 Meter steigern und erreichte mit 59,39m den nicht erwarteten 3. Platz bei dieser Meisterschaft. Diese Leistung bedeutete auch Turngaurekord in den Altersklassen 18-19 und 20+. Das war ein Sahnetag für Niklas.

Für die größte Überraschung sorgte an diesem Tag die 13-jährige Alisia Kost im Leichtathletik 5-Kampf der Altersklasse W12-13. Sie hatte im Winter wegen Knieproblemen lange Zeit nicht trainieren können und es war nicht voraus zu sehen, was sie in Berlin zu leisten in der Lage war. Die Enkelin von unserem langjährigen Vorstandsmitglied Marion Kost zeigte sich von ihrer besten Seite. Persönliche Bestleistungen mit 10,93 sek. über 75m, 4,60m im Weitsprung und 30,99m mit dem 800 Gr. Schleuderball gelangen ihr in den ersten 3 Disziplinen. Mit der Kugel gab es bei den ersten 2 Versuchen Probleme und erst im 3 Versuch gelangen ihr mit einer Energieleistung ordentliche 6,66m. Im 1000m Lauf, der letzten Disziplin, zeigte sich, dass ihr die Crossläufe aus der Wintersaison fehlten und sie bleib fast 20 Sekunden unter der Zeit, die sie im letzten Jahr beim Landesturnfest in Pirmasens gelaufen war. Es war klar, dass es um Platz 3 oder 4 ging und dann war der Jubel groß. Sie blieb um 0,15 Punkte vor ihrer Konkurrentin und durfte aufs Siegertreppchen. Das hatte  sie am Vortag nur knapp verpasst, als sie mit 30,77m beim Schleuderballwerfen auf Platz 4 kam.

Unsere anderen DM-Teilnehmer agierten an diesem Tag im Mommsen-Stadion nicht besonders glücklich. Dominik Gessner ging erstmals in der Altersklasse 20+ an den Start und da war der Stein in diesem Jahr 15kg schwer. Mit 6,77 reichte es nur für Platz 12. Die 54,34m mit dem Schleuderball sind für ihn sehr gut und in einem sehr großem Teilnehmerfeld (Siegerweite über 72m) wurde das dann Platz 17. Kai Sebastian Hübner hatte beim Kugelstoßen mit 9,79m einen denkbar schlechten Start in seinen 5-Kampf der Altersklasse 14-15 und das zog sich dann fast durch alle Disziplinen. Zum Schluss stand Platz 12 auf dem Tableau. Mit den zuletzt zu Hause gezeigten Leistungen wäre ein mittlerer einstelliger Platz drin gewesen. Mit dem Schleuderball kam er mit 41,33m im Einzelwettkampf auf den 16. Platz.

Ein besonderer Bestandteil der Turnfeste ist der sogenannte Wahlwettkampf. Er erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und hat die größten Teilnehmerzahlen (z.T. mehrere Hundert). Jeder Wettkämpfer kann sich seinen 4-Kampf (ab 60 Jahre 3-Kampf) individuell aus mehreren Sportarten zusammenstellen. Als Fachwettkampf mit mind. 3 Disziplinen aus einer Sportart, oder als Mischwettkampf aus mehreren unterschiedlichen Sportarten. Zur Auswahl stehen da Turnen, Leichtathletik, Schwimmen und Tauchen, Gymnastik, Trampolin springen und Rope Skipping. Wie beliebt dieser Wettkampf ist, sieht man daran, dass auch alle unsere DM-Teilnehmer noch einen Wahlwettkampf absolvierten. Thomas Bertram (Fachwettkampf Leichtathletik, AK 55-59) wurde 10. unter 68 Teilnehmern und Dominik Gessner (Fachwettkampf Laichtathletik) AK 20+ 22. unter 103 Teilnehmern, sowie Kai Sebastian Hübner (Mischwettkmpf AK 14-15) 24. unter 101 Teilnehmern. Weiter erreichten Mareike Barth Platz 21, Björn Hahn Platz 138, Michael Hahn Platz 46, Niklas Hahn Platz 68, Silke Jäckel-Kleiner Platz 35, Dennis Jäckel-Kleiner Platz 88, Alisia Kost Platz 336, Lea Schmidt Platz 216, Fabian Späth Platz 38, Harald Späth Platz 93, Sabine Späth Platz 41 und Manfred Thomas Platz 34.

Die Turnfestläufe fanden in Berlin auf der Straße des 17. Juni statt. Es wurden Läufe über 1km, 3km und 5km angeboten. Neele Barth erreichte bei den Mädchen über 1km einen hervorragenden 6. Platz unter 60 Teilnehmerinnen und Jonas Jäckel wurde auf der gleichen Strecke 13. unter 31 Teilnehmern. Über 3km waren Björn Hahn (47.) und sein Bruder Niklas (26.) am Start. Der 5km Lauf wurde ebenfalls eine Familienangelegenheit. Denis Jäckel-Kleiner wurde 103. und seine Mutter Silke kam auf Platz 175 ein.

Die Rope Skipper/innen hatten mit den Teams die Qualifikation für die Europameisterschaften in Braga/Portugal schon in der Tasche. In Berlin ging es dann darum, auch noch die Qualifikation für die Einzelwettbewerbe zu schaffen und das hat dann auch noch ausgezeichnet geklappt. Maike Preuß konnte sich ihre schon lange verdiente Einzelmedaille erkämpfen. Sie belegte in der AK 15-17 hinter Olivia Gessner aus Neutraubling und Lilith Schultheiss aus Hanau den 3. Platz. 93 Sprünge im 30sek. Speed, 435 in 3min und hervorragende 147 bei den Dreifachdurchschlägen waren eine hervorragende Basis. Dann klappte beim Freestyle auch noch fast alles und das war dann das Treppchen. Auch Vicky Risch zeigte einen Superwettkampf und erreichte Platz 10. Angelina Haller war erstmals für die DM qualifiziert, noch nie so weit und so lange von zu Hause weg und hatte ihre Nerven überhaupt nicht im Griff. Es wurde leider nur Platz 46, obwohl sie bedeutend mehr kann. Katrin Ryan hatte im Vorfeld der Meisterschaften Knieprobleme und trotzdem wurde es für sie ein sehr guter Wettkampf. Lediglich bei den Dreifachdurchschlägen hat sie nicht bis auf‘s Letzte ausgereizt und so konnte sie dann anschließend im Freestyle glänzen. Es war der Beste in der Altersklasse 18+. Insgesamt der 4. Platz für sie. Julia Kannengießer zeigte sich von ihrer besten Seite und belegte Platz 13. Bei Peri Ann Houk lief es im Speed sehr gut, aber leider hat sie dann im Freestyl zu viele Fehler gemacht, so dass am Ende nur Platz 32 dabei heraus kam.

Unser Max Polenske hat das Problem, dass in jeder Altersklasse mindestens 5 Teilnehmer an den Start gehen müssen, damit ein Deutscher Meister ermittelt wird. Leider gab es in Berlin wieder nur 2 Konkurrenten für ihn, so dass bei den Jungens die Altersklasse 15-17 nur als Rahmenwettbewerb gewertet wurde. Max beherrschte die beiden mit einem super Freestyle aber souverän und legte beim ungeliebten Speed mit 391 Sprüngen in 3min. noch eine ansprechende Leistung hin.

Bei Deutschen Meisterschaften werden die Titelträger getrennt in den Altersklassen 15-17 (Jugend) und 18+ (Senioren) ermittelt. Aber bei internationalen Wettkämpfen gehen dann diese beiden Altersklassen gemeinsam an den Start. Für die Qualifikation wird dann aus diesen beiden

Alterklassen ein gemeinsames Ranking gebildet, d.h. für jede Einzeldisziplin – international werden allerdings keine Tripples gesprungen, das ist dort ein separater Wettbewerb - wird eine Rangfolge gebildet, die Werte werden addiert und die drei Skipper/innen mit den niedrigsten Rankingwerten nehmen am Overall-Wettkampf  oder Mehrkampf teil. Darüber hinaus können in jeder Einzeldisziplin zusätzlich noch 2 Spezialisten pro Land nominiert werden.In diesem Jahr war es dann so, dass die drei Mädels der AK 15-17 die besten Rankingwerte hatten und so wird Maike mit dem 2.besten Rankingwert auch im Overall an den Start gehen, Katrin ist beim Freestyle dabei und Max, wir haben alle geschmunzelt, muss jetzt eifrig für den 3 min. Speed trainieren, für den er sich qualifiziert hat. Er hat ja im Moment viel Zeit, denn seine Ferien haben schon begonnen!

Insgesamt hat der TVO beim Turnfest mit 24 Athleten/innen, Leichtathleten und Rope Skipper/innen, 37 Wettkämpfe bestritten. D.h., es war praktisch jeden Tag irgend jemand irgendwo im Einsatz. In Berlin ist das allerdings sehr praktisch, denn die Messe und die Sportanlagen rund um das Mommsen-Stadion liegen fast direkt nebeneinander. Nur zum Schwimmen musste man in den Olympia Park, auch nur 2 S-Bahnstationen weiter. Wir haben dann auch erfahren  wie richtig unsere Entscheidung war, in ein Hotel in Charlottenburg zu gehen. Bis zum nächsten S-Bahnhof 100m und dann 2 Stationen bis zur Messe. Unsere Mitstreiter aus dem Turngau hatten fast eine Stunde zu fahren und nach den Galas (Stadion u. Turnfest) kam man mit den Kindern erst kurz vor 1 Uhr nachts nach Hause. Problem gab es morgens um 8.oo Uhr an der Messe, als unsere Rope Skipper mit Wettkampfbeginn um 10.oo Uhr dort auftauchten. Erst nach längerem Palaver wurde dann die Tür geöffnet. Turnfeste sind neben den Meisterschaften vor allem große Breitensportveranstaltungen, bei denen immer große Show-Events dazu gehören. So waren die TVO-Sportler im Olympiastadion bei der Stadion-Gala. Fabian Hambüchen wurde von der Bundeskanzlerin aus der Nationalmannschaft verabschiedet und die Turner/innen zeigten mit großen Massendarbietungen, dass man damit immer noch 65.000 Besucher begeistern kann. Ganz anders das Programm bei der Turnfest-Gala in der Mercedes-Benz-Arena. Spektakuläre Acts gab es  zu sehen und eine 92-jährige  Turnerin zeigte am Barren, was auch ältere Menschen noch zu leisten vermögen. Die Schweizer Turner hatten sich mal wieder etwas besonderes einfallen lassen. An 6 Ringen nebeneinander wurde geschwungen was das Zeug hielt und wir bekamen spektakuläre Abgänge zu sehen.

Und wie immer gehörte auch ein Festzug mit Fahnen und Musik zum Turnfest dazu. Über die Straße des 17. Juni ging es durch das Brandenburger Tor und an der Spitze des Turnverbandes marschierte Niklas Hahn mit der fast 120 Jahre alten TVO-Fahne. Bemerkenswert wie unseren jungen Leute sich dafür noch begeistern können. Der Chronist konnte sich noch gut daran erinnern wir er beim Turnfest 1968, in der damals noch geteilten Stadt, mit der Fahne seines Heimatvereins vom Niederrhein am Bundespräsidenten Heinrich Lübke vorbeimarschiert ist.

Etwas gab es in Berlin, was man bisher bei Turnfesten nicht gewohnt war. Die Sicherheit wurde erstmals groß geschrieben. Kontrollen von Taschen und Rucksäcken waren in den ersten Tagen schon obligatorisch und erst im Laufe der Woche wurde es dann etwas großzügiger. Zum Festzug war die Straße des 17. Juni komplett abgeriegelt und so wurden die ohnehin immer sehr langen Wartezeiten vor den Festzügen noch um etliches verlängert. Der Turnverband Mittelrhein war dann auch wieder einer der Letzten in der Aufstellung. Wir marschierten erst los, als die Ersten sich schon für die Eröffnungsfeier bereit machten, die wir dann doch ausgelassen haben. Warten und rumstehen strengt doch unheimlich an. Früher galt es einmal: Wo Turner unterwegs sind, braucht man keine Polizei. Es ist leider den Umständen der heutigen Zeit geschuldet, dass das nun auch der Vergangenheit angehört. Trotzdem war das Turnfest auch in diesem Jahr wieder das große Erlebnis für die Teilnehmer des TVO. Viele waren zum ersten Mal dabei. Es war auch noch Zeit für einige andere Dinge. Ein Schifffahrt auf Spree und Landwehr-Kanal waren im Programm. Die Bunkeranlagen aus der NS-Zeit und der Reichstag wurden ebenso besichtigt, wie die Spandauer Zitadelle. Besonders beeindruckend war die große Video-Präsentation über die Arbeit von Bundestag und Regierung vom Reichstag hinüber auf die Abgeordnetenhäuser. Und abends kamen wir ganz in der Nähe von unserem Hotel bei „Albert‘s“ zusammen, dort gab es gutes zum Trinken und prima zu Essen und wir konnten den Tag Revue passieren lassen. Ich glaube alle, die in Berlin dabei waren, freuen sich jetzt schon auf das nächste Turnfest 2021 in Leipzig!                  -bp-  

 



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